Archiv für den Monat Oktober 2010

Kunstausstellung “Eat Art”: ein Museumstipp

Montag, 18. Oktober 2010

Wie konnte ich es nur vergessen: Meine wahre Berufung ist doch die Kunst! Es muss das tägliche Einerlei sein, das meine kreativen Triebe dämpft. Alltagstrott haut auch die stärkste Muse um.

Doch das – so habe ich jetzt gelernt – muss nicht sein. Ein Ausflug in die Ausstellung „Eat Art“ im Kunstmuseum zeigt, dass sich in Wirklichkeit Alltag und Kunst sehr nahe sind. Ach, was rede ich: Alltag ist Kunst! Alles eine Frage der Definition.

Was entsteht im Inneren einer Spülmaschine, wenn fette braune Soßenreste über ein Weinglas triefen? Kunst! Was zeigt sich nach Wochen in der vergessenen Vesperbox? Klar doch: Kunst! Eigelb an der Serviette? Mehlmotten im Frühstücksmüsli? Maden im Katzenfutter? Kunst. Kunst. Kunst. Man muss nur genau hingucken.

Tief beeindruckt war ich von einer besonders gelungenen Installation, die derzeit in den Ausstellungsräumen des Stuttgarter Kunstwürfels an der Wand klebt: „Kinderkotze – Buchstabennudeln in Tomatensoße“. Na, da macht sich doch Entsetzen breit. Was war ich bislang für ein Banause! Welche Kunstwerke habe ich in meinem Leben schon – wisch und weg – vernichtet! Unwiederbringliche Chancen eines künstlerischen Coming Outs. Verpasst und verpfuscht. Aus und vorbei. Ach, was hätte aus mir doch alles werden können…

Die Ausstellung (sinnlich, vergnüglich, empfehlenswert!) geht noch bis zum 9.1.2011.

Eat Art im Kunstmuseum Stuttgart

PMS: Das prämenstruelle Syndrom

Montag, 11. Oktober 2010

Viele Frauen haben in den Tagen vor ihrer Periode heftige Beschwerden. Etwa 30% aller Frauen zwischen 20 und 40 Jahren leiden unter PMS – dem prämenstruellen Syndrom.

Doch wer über die „Tage vor den Tagen“ klagt, hat einen schweren Stand. Lange wurde bezweifelt, dass es das prämenstruelle Syndrom überhaupt gibt. Als Zickigkeit verspottet, als Unpässlichkeit verharmlost oder als Scheinkrankheit abgetan, wurde es weder behandelt noch erforscht. Mittlerweile ist PMS offiziell als Krankheit anerkannt und von der WHO unter dem Diagnoseschlüssel ICD-10 N94.3 klassifiziert worden.

Die Symptome der sogenannten prämenstruellen Dysphorie sind vielfältig. Besonders häufig sind Reizbarkeit, Aggressivität, Depressionen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Heißhungerattacken, Kopf- und Rückenschmerzen und Spannungsgefühl in den Brüsten. Nicht immer allerdings lassen sich die Beschwerden auf die hormonellen Vorgänge innerhalb des weiblichen Zyklus schieben. Auch andere behandlungsbedürftige Krankheiten – z.B. eine Depression oder eine Fehlfunktion der Schilddrüse – könnten dahinter stecken. Das Erscheinungsbild des PMS ist diffus und macht eine eindeutige Diagnose nicht leicht.

Um andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen, sollten betroffene Frauen einen Zykluskalender führen, bei dem über mehrere Monate hinweg jeder Zyklustag so genau wie möglich dokumentiert wird. Nur so können die prämenstruellen Beschwerden von anderen Krankheitserscheinungen abgegrenzt und erfolgreich behandelt werden.

Berechnen Sie Ihren Eisprung und führen Sie einen Zykluskalender

(Bild: ©istockphoto.com_WillSelarep)

Pille West und Pille Ost: deutsch-deutsche Verhütung

Sonntag, 03. Oktober 2010

3. Oktober – heute ist ein besonderer Tag. Heute schreibe ich einen Blog zur deutschen Einheit. Das bin ich dem historischen Datum schuldig. Auf den ersten Blick mag das für einen Praxisblog unpassend sein. Aber die deutsch-deutsche Vergangenheit hat viele Facetten. Auch eine gynäkologische.

Nehmen wir ein Beispiel aus der Geschichte der Verhütungsmittel. 1961 kam in der Bundesrepublik Deutschland das erste hormonelle Kontrazeptivum auf den Markt: die Pille. Ihre Einführung glich einer gesellschaftlichen Revolution und löste anfangs kontroverse Diskussionen über den Verfall der Werte und den Niedergang der Familie aus.

Vier Jahre später war es auch jenseits der Mauer soweit. 1965 wurde in der DDR das neue hormonelle Verhütungsmittel zugelassen und staatlich gefördert. Ab 1972 erhielten die ostdeutschen Frauen die Pille kostenlos. Aus arbeitsmarktpolitischen und ideologischen Gründen eine konsequente Maßnahme. Die Erwerbstätigkeit der Frauen war eine wirtschaftliche Notwendigkeit und ein wichtiger Aspekt im sozialistischen Selbstverständnis der DDR.

Interessantes Detail der deutsch-deutschen Sprachgeschichte: Während das neue Verhütungsmittel im Westen schnell unter dem Namen „Anti-Baby-Pille“ bekannt wurde, entschied man sich im Osten für die Bezeichnung „Wunsch-Kind-Pille“.

(Bild: istockphoto.com_Shantell)


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